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Die große Stille

Der Regisseur Philip Gröning realisierte einen Film in der »Grand Chartreuse«, dem Mutterkloster des Karthäuserordens. Ausgestattet mit einer HDCAM- und einer Super-8-Kamera hielt er sich mehrere Monate in dem Kloster auf und hielt das Leben der Mönche fest. Daraus ist eine 164minütige Produktion entstanden, die nun in den Kinos läuft.

Die Geschichte klingt unglaublich: 1984 fragte der Regisseur Philip Grönig die Mönche der »Grand Chartreuse« um Erlaubnis, im Kloster drehen zu dürfen. 15 Jahre später kam die Antwort: Er durfte — allerdings mit der Auflage, ohne künstliches Licht aufzubauen und ohne den Film mit zusätzlicher Musik oder Kommentaren zu versehen. Vor allem aber durfte er kein Team mitbringen, sondern sollte nur allein Zutritt zum Klosterleben haben. Grönig musste also eine Möglichkeit finden, allein drehen zu können — und entschied sich dazu, mit HDCAM in 24p und mit Super-8-Equipment im Kloster zu drehen.

160 Minuten lang fast absolute Stille. Wie kann das im Kino funktionieren?
Der Regisseur Philip Gröning berichtet über sein Projekt:

Wie still kann es sein? Werden plötzlich Laute explodieren, ohne Vorwarnung? Wie dunkel kann es werden, inmitten der fast vollständig unbeleuchteten Messen der Chartreuse? Wann wird ein Schatten als Mensch erkennbar?

Ein Film über die Grande Chartreuse ist eine Reise in eine andere Welt. Was bedeutet Zeit für jemanden, der weiß, dass er dieses Haus, diese Zelle, nicht mehr verlassen wird? Was ist Alltag, was Gebet, in einer Welt, in der alles von Wiederholung bestimmt ist und sich doch der Einzelne durch seine Zeit bewegt?

Was ist ein Gebet? Was ist ein Kloster? Und: Was ist ein Mensch?

Das Treatment für dieses Projekt entstand bereits 1984. Als ich 1999 die Erlaubnis erhielt, einen Film in der »Grande Chartreuse« zu drehen, habe ich meinen Text noch einmal mit Abstand gelesen und erkannt, dass es nicht nötig war, den ursprünglichen Text zu ändern. Warum einen Film 15 Jahre nach der ersten Idee überhaupt realisieren?

Zum einen, weil meine ursprüngliche Intention die Gleiche geblieben ist: Das Bedürfnis, einen Film zu machen, der die fast archaischen Wurzeln unserer Kultur reflektiert, ist heute so stark wie damals. Zum Anderen wegen der absoluten Übereinstimmung von Inhalt und Form. Hier scheint sie möglich. Für 160 Minuten wird im Kopf des Zuschauers das Innere des Klosters erschaffen.

Ich hatte die Möglichkeit, fast sechs Monate lang innerhalb des Klosters zu drehen und lebte während dieser Zeit wie ein Mönch in einer der Zellen. Ich teilte den Alltag im Kloster und ging, wie die anderen Mönche auch, meiner Arbeit nach — in meinem Fall dem Filmemachen.

Die »Grande Chartreuse«, der Orden der Karthäuser, ist eine Art Legende innerhalb der katholischen Welt: Sie repräsentiert die strengste Form des kontemplativen Lebens in der christlichen Welt. Das Kloster erteilte mir keine Auflagen, außer dieser: Kein künstliches Licht, keine zusätzliche Musik, keine Kommentare. Kein zusätzliches Team — nur ich. Diese Bedingungen stimmten auf das Genaueste mit meinem ursprünglichen Konzept überein, so dass ich sie nicht als Einschränkung betrachtete.

Die einzigen Elemente der Sprache, abgesehen von kurzen, untertitelten Momenten, in denen die Mönche miteinander sprechen — wie sie es während ihres wöchentlichen Treffens und während ihrer Spaziergänge tun — sind Texttafeln. Im Film sind insgesamt 18 Texttafeln zu sehen. Die Texte auf den Tafeln werden in gewissem Rhythmus wiederholt. So wie im Leben eines Mönches identische Gebete und Psalme immer wiederkehren. Sein ganzes Leben lang. Die Wiederholung der Texttafeln ist eine Methode, um dem Leben im Kloster näher zu kommen: Kontemplation als der immer neue Blick auf das ewig Gleiche. Die Bedeutung eines Gebetes ändert sich für die Mönche im Laufe des Lebens — sie wird tiefer, ebbt ab und wächst wieder. Die Texttafeln sollen beim Zuschauer ein Gefühl für diesen Prozess auslösen: Einsicht durch Wiederholung.

Der Film dokumentiert den Lauf der Zeit, den Wechsel der Jahreszeiten und die immer wiederkehrenden Elemente des Tages, des Gebets. Gesichter. Eine sehr physische Welt (ein Apfel wird aufgeschnitten, Mahlzeiten in den Zellen verteilt, ein Feld bestellt) und immer wieder die Mönche beim gemeinsamen Gebet. Beides ist in der Grande Chartreuse sehr präsent: Das einfache Physische der Welt und die Abkehr davon.

Die Narration wird getragen durch den Rhythmus, den Klang und die Bewegung – die in der tiefen Dunkelheit des Kinos besonders stark erlebt werden können.

Autor: red

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