Gimbal-Test: RS2 und RSC2 von DJI
Gimbal-Praxistest im Doppelpack: neue Ronin-Gimbals RS2 und RSC2 von DJI.
RSC2 — Praxis
Der RSC2 verdient die Bezeichnung Einhand-Gimbal wie kaum ein anderer Gimbal. Man kann ihn einerseits sehr gut verstauen und hat ihn auch sehr schnell einsatzbereit.
Aber dann geht es erst so richtig los: Durch das neue Fokusrad vorne am Gimbal braucht man aber beim RSC2 tatsächlich nur eine Hand, um alles zu bedienen: Fokus, Aufnahme und Gimbal-Bewegung.
Die andere Hand bleibt frei, um sich etwa — wie im eingefügten Test-Video zu sehen — an einem Fahrradlenker festzuhalten. Einzig für das Menüeinstellrad auf der linken Seite muss man seine Hand etwas verbiegen.
Lobend erwähnen möchte ich an dieser Stelle auch die Joysticks der beiden neuen Modelle. Diese funktionieren fast ohne Anschlag und lassen sich sehr feinfühlig steuern. Eine Passage des Bildmaterials im Test-Video wurde mit dem Joystick realisiert und ist so auch gekennzeichnet.
Im Test habe ich mich auf längere Brennweiten konzentriert, da diese am besten die Leistung eines Gimbals wiedergeben. Die beiden Testmuster waren Vorserienmodelle, in diesen funktionierte das digitale Fokussieren ohne den Motor nur, während die Kamera nicht aufnahm. Das wurde sicherlich vor dem Verkaufsstart noch behoben.
Das integrierte Rad funktioniert sehr weich, die Geschwindigkeit lässt sich schnell über das Display einstellen. Vor der Aufnahme hilft die Autokalibrierung, die Motoren auf die richtige Stärke einzustellen. DJI bietet hier auch schon bei den Vorgängermodellen einen nützlichen Shortcut: Trigger und M-Knopf gleichzeitig gedrückt halten.
Über das Display kann man den Status der Kalibrierung verfolgen… Viel nützlicher sind allerdings die Warnanzeigen für einen gelockten Motor oder eine nicht richtig ausbalancierte Kamera.
Das neue Schnellwechsel-Plattensystem hat zumindest beim RSC2 einen kleinen Nachteil, das mag aber auch nur mein subjektives Empfinden sein: Durch die zweite Platte verschenkt man hinten wichtigen Platz, gerade wenn man das Kamera-Setup ans Gewichtslimit bringen will.
Die Kamera ist durch dieses Zweiplattensystem außerdem noch erhöht, was bei Kameras wie der 1DX zu Problemen führen könnte.
Der Titan-Algorithmus für die Stabilisierung arbeitet sehr gut, auch lange Brennweiten sind jetzt ohne großartige Wackler nutzbar. »Super Smooth« soll mit Objektiv-Brennweiten von bis zu 100 mm noch mehr Vibrationen eliminieren. DJI empfiehlt hier die Nutzung einer Objektivabstützung. Dieser Lens-Support ist beim RSC2 ebenfalls neu und hält die Linse jetzt zusätzlich noch mit einem Klettband fest. Nachdem »Super Smooth« aktiviert wurde, sollte man eine Gimbal-Kalibrierung durchführen, um danach dann die Stärke einzustellen. Hier muss man je nach Brennweite und Bewegung der Kamera etwas herumexperimentieren.
Ich hatte den Eindruck, »Super Smooth« verhält sich ähnlich wie ein zugeschalteter digitaler IS. Die Motorleistung wird erhöht, dadurch ist das Bild mehr »gelockt«. Besonders wenn die Gimbal-Bewegung geradeaus geht, sollte sich dies positiv bemerkbar machen.
Geradezu prädestiniert ist der RSC2 für Hyperlapse-Aufnahmen (Artikel). Oft nutzt man dazu heutzutage ja einen Gimbal, um einen geraden Horizont zu haben und im Allgemeinen nicht mehr viel in der Post stabilisieren zu müssen. Ich hatte den neuen »kleinen« Ronin mit der GH5 und einem Pancake-Objektiv auf einem Monopod. So war das Setup extrem kompakt und leicht.
Wie bereits erwähnt, braucht man das Smartphone eigentlich gar nicht mehr, um den Gimbal zu steuern. Man gelangt auch problemlos über das Gimbal-Menü in die Kreativmodi.
Ein besonderes Augenmerk habe ich hier auf den Modus »Track« gelegt, da dieser beim Ronin S noch nicht akkurat lief, was bei wiederholten Schwenks einen Bildversatz verursachte. Das ist mit der neuen Generation nicht mehr der Fall — sowohl beim RSC2 als auch beim RS2. Im Test-Video ist zu sehen, wie nahtlos die drei gefilmten Szenen ineinander übergehen. Wünschenswert wäre hier noch die Einbindung des Fokusmotors, um die einzelnen Punkte nicht nur anfahren, sondern auch fokussieren zu können.
Fazit
Gerade wenn man einen möglichst kompakten Gimbal sucht, wird man seine Freude am neuen RSC2 haben. Die Stabilisierung ist nochmals verbessert, die Funktionen und Modi sind ausgereift.
Der Gimbal ist auch sehr solide gebaut, es klappert und wackelt nichts. Die Arme sitzen fest und die Verschlüsse greifen ordentlich zu. Wenn man auf den Fokusmotor und RavenEye verzichten kann, was in dieser Preisklasse durchaus vorstellbar ist, erhält man für überschaubare 419 Euro ein absolut solides Arbeitswerkzeug.
Seite 1: Einleitung
Seite 2: RSC2 — Überblick
Seite 3: RSC2 — Praxis, Fazit
Seite 4: RS2 — Überblick
Seite 5: RS2 — Praxis
Seite 6: RS2 — RavenEye/Tracking, Fazit
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