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Verschiebungen

In den kommenden Tagen wird Ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit der Begriff »Hundstage« begegnen, denn so wird ein Zeitraum bezeichnet, der vom 23. oder 24. Juli bis zum 23. oder 24. August dauert und üblicherweise eine Schönwetterperiode mit den heißesten Tagen des Jahres in Europa bezeichnet. Der Begriff hat seinen Ursprung in der Astronomie und hängt mit dem Erscheinen von Sirius, dem Hauptstern des Sternbilds Großer Hund, am Morgenhimmel zusammen.

Vielleicht fragen Sie sich an dieser Stelle schon, was solcherlei Trivialwissen mit unserer Branche zu tun hat. Einen kleinen Schwenk braucht es noch, dann sind wir dort:

Seit der Zeit der Ägypter und Römer, die den Begriff »Hundstage« prägten, hat sich einiges verändert — auch in Bezug auf die Hundstage selbst. In Wahrheit ist nämlich die ursprünglich in Europa mit diesem Begriff bezeichnete Schönwetterperiode im Jahresablauf immer weiter nach vorne gewandert, Sirius hingegen zeigt sich heutzutage erst deutlich später im Jahr am Morgenhimmel. So sind die »Hundstage« heute letztlich nur noch eine leere Hülle ohne Grundlage.

Auch in unserer Branche sind viele Begriffe überholt, werden aber unverändert weiter benutzt. Das fängt beim »Drehen« an, das spätestens beim Arbeiten mit P2 oder anderen Festpeichermedien einfach nicht mehr den Kern der Sache trifft. »Eindigitalisieren« ist auch so ein Wort, das in einer digitalen, file-orientierten Produktionswelt keinen Sinn mehr ergibt. »Roll the tape« und »MAZ ab« passen auch nicht mehr so ganz zum Server oder RAID, von dem ein Clip abgespielt wird. Gleichzeitig wird aber immer noch ganz häufig »abgespeichert«, wo man in Wahrheit einfach nur speichert.

Natürlich fällt es nicht leicht, sich von alten Gewohnheiten zu trennen und oft sind die Alternativen auch nicht erfreulich, sondern führen nur zu einem deutsch-englischen Kauderwelsch: »Das ganze Source-Material haben wir erstmal dust-gebustet. dann digital gegradet und im Finalizing noch geremastert.«

Noch weitaus sensibler wird das ganze Thema dort, wo es Befindlichkeiten berührt: Mancher DoP möchte eben lieber »Bildgestalter« als »Kameramann« genannt werden…

So ändert sich manches eben nur ganz langsam und wird erst nach und nach der Realität angepasst: Nimmt man die »Hundstage« als Maß, dann ist unsere Branche immer noch sehr jung und schnell. Und manchmal bilden sich eben auch heute noch regionale Besonderheiten heraus, wie etwa beim Handy, zu dem eben nur im deutschen Sprachraum so gesagt wird, auch wenn der Begriff sehr »international« klingt.

Sie werden sehen.

Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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